Gestern habe ich die Sonne genutzt um nach der Schule nach Hause zu laufen, mit der Kamera ein paar Graffiti zu fotografieren und bei Babylon Circus alle paar Minuten auf einer Bank platz zu nehmen und vor mich hin zu träumen. Da es sehr viele Fotos geworden sind, hier erst mal nur die Pochoirs. Dabei werden Schablonen gemacht, die einfach nur übersprüht werden. Die Hauptarbeit findet also nicht direkt an der Wand, sondern zu Hause an der Schablone statt. Ich habe das Gefühl, dass diese Art hier in Georgien besonders verbreitet ist, vielleicht, weil es hier keine speziellen Graffitifarben gibt, sondern noch mit normalen Lackfarben gearbeitet wird, die auch keine verschiedenen Caps kennen.
Dieses Video hatte ich schon vor längerem gedreht, wegen meines langsamen Internets, jetzt endlich auch in schlechter Qualität hochgeladen. Hier könnt ihr meinen Weg von Zuhause bis zur Schule sehen.
Ich habe schon wieder nicht richtig die Zeit, hier viel zu schreiben und zu erzählen, was hier so los ist. Deshalb nur kurz ein bisschen News aus Georgien.
Am Mittwoch war ich mein erstes Mal hier in Georgien in Aikido. Ich habe schon gemerkt, dass ich es sehr lange nicht mehr gemacht habe und man hat auch gemerkt, dass es ein anderer Stil war, als ich ihn in Deutschland gemacht habe. Aber es tut gut, zumindest hatte ich bis heute Muskelkater, sodass ich teilweise echt Probleme mit dem Bewegen hatte.
Am Donnerstag waren die Gespräche beim DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) von meinen Schülerinnen, womit jetzt auch ein großer Stressfaktor der letzten Zeit beendet ist. Aber man findet ja zum Glück immer wieder neue Stressfaktoren, wunderbar.
Als ich am Samstag (6.2.10) aufgewacht bin, schien es dermaßen hell in mein Zimmer rein, dass ich dachte, ich hätte den Winter verschlafen tatsächlich hat es aber einfach geschneit. Zum ersten Mal und dann gleich richtig, sodass der Baum, der direkt vor meinem Fenster ist komplett zugeschneit war und mein Zimmer deshalb schon ganz früh morgens ganz hell war. Ich konnte nicht anders, als direkt aus meinem Bett heraus ein Foto zu machen. (Weshalb man auch noch das Maggie und den Teller Nudeln vom Vorabend auf der Fensterbank erblicken kann)
An Kreativität mangelte es wohl den Namensgebern der georgischen Schulen, als sie entschieden, alle Schulen durchzunummerieren. Für alle die es noch nicht wissen: Ich bin an der 195. Schule Tiflis. Dort habe ich jetzt die letzten Wochen erst einmal bei den verschiedenen Lehrern zugeschaut und mir überlegt, was ich denn in der Schule für Projekte anbieten will. Es gibt 10 Deutschlehrerinnen an der Schule, die auch wirklich nur Deutsch unterrichten und nicht wie in Deutschland 2-3 Fächer. Das die Schule eine besondere Schule ist, wird auch nach außen sehr offensiv durch ein sehr unauffälliges kleines Schild (Abb.1) gezeigt auf dem ganz winzig geschrieben steht, dass dies eine “PASCH-Schule” ist. Dies heisst, dass an der Schule Lehrkräfte aus Deutschland unterrichten (in diesem Fall eine – und zwar Jutta) und dass man das Deutsche Sprachdiplom an der Schule machen kann, mit dem man dann in Deutschland studieren weiterlesen…
Tatsächlich wurden wir schon in der kurzen Zeit hier doch eher desillusioniert, was den Gedanken angeht, hier sei alles super billig. Seit der Revolution und der Weltwirtschaftskrise sieht es nämlich eher genau anders herum aus. Erst einmal zu den westlichen Standarts: Eine Wagner/Dr. Oetker Pizza, die bei uns 2 Euro kostet, kostet hier 20 Lari, also ca. 9 Euro. Den Preis für eine Pizza muss man erst einmal verkraften. Dies liegt wohl aber auch daran, dass der Supermarkt etwa 10 mal mehr Angestellte braucht. Denn es gibt tatsächlich nur eine Supermarktkette, genannt “Populi”. Die Georgier sind es nicht gewohnt, in Supermärkten einzukaufen und sich die Sachen selbst zu nehmen, weshalb an jedem Regal jemand steht der schaut, dass niemand etwas mitgehen lässt. Aber auch ansonsten ist hier nicht wirklich “billig” die richtige Bezeichnung. Ich will hier jetzt nicht über genaue Zahlen sprechen: Aber zumindest im Hinblick auf die Miethöhe stehen georgische Wohnungen den Deutschen in kaum etwas nach. Generell ist also zu sagen: Arbeitskraft ist sehr günstig, Essen sehr teuer. Man könnte es meinen ersten Kulturschock in Georgien nennen, mal sehen, wie viele noch folgen.